EU-Schwellenwerte – Balken über der Schwelle

EU-Schwellenwerte 2026: Was Bieter jetzt wissen müssen

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 1. Januar 2026 gelten neue EU-Schwellenwerte (EU-Verordnungen 2025/2150–2152).
  • Bauleistungen: 5.404.000 €. Liefer- und Dienstleistungen: 216.000 € (140.000 € für oberste und obere Bundesbehörden).
  • Sektorenauftraggeber: 432.000 € für Liefer-/Dienstleistungen, 5.404.000 € für Bau.
  • Über dem Schwellenwert läuft das EU-Verfahren nach GWB/VgV, darunter das nationale nach UVgO/VOB/A.
  • Für Bieter heißt das: anderer Wettbewerb, andere Fristen, andere Formalien – schon vor der ersten Seite Vergabeunterlagen.

Ob eine Ausschreibung europaweit oder national läuft, entscheidet eine einzige Zahl: der Schwellenwert. Liegt der geschätzte Auftragswert darüber, greift das EU-Vergaberecht – mit mehr Wettbewerb, festeren Fristen und mehr Formalien. Seit dem 1. Januar 2026 gelten neue EU-Schwellenwerte 2026. Wer sie kennt, weiß vor dem ersten Blick in die Unterlagen, worauf er sich einlässt – und ob sich der Aufwand überhaupt lohnt.

Was ein Schwellenwert ist – und warum diese Zahl über alles entscheidet

Der Schwellenwert ist die Grenze, ab der ein öffentlicher Auftrag europaweit ausgeschrieben werden muss. Maßgeblich ist der geschätzte Netto-Auftragswert, nicht dein späterer Angebotspreis. Liegt er darüber, gilt das Kartellvergaberecht (GWB Teil 4, VgV, SektVO, KonzVgV) mit EU-weiter Bekanntmachung. Liegt er darunter, bleibt es national – je nach Auftrag nach UVgO oder VOB/A, 1. Abschnitt. Für dich als Bieter ist das keine Formalie: Ober- und unterhalb der Schwelle gelten unterschiedliche Fristen, Nachweispflichten und Rechtsschutzwege.

Die neuen EU-Schwellenwerte 2026 im Überblick

Die EU passt die Schwellenwerte alle zwei Jahre an. Für 2026 und 2027 wurden sie über die Delegierten Verordnungen (EU) 2025/2150, 2025/2151 und 2025/2152 festgelegt und gelten seit dem 1. Januar 2026:

Auftragsart Schwellenwert (netto)
Bauleistungen (alle Auftraggeber) 5.404.000 €
Liefer-/Dienstleistungen – oberste & obere Bundesbehörden 140.000 €
Liefer-/Dienstleistungen – übrige öffentliche Auftraggeber 216.000 €
Sektorenauftraggeber – Liefer-/Dienstleistungen 432.000 €
Konzessionen 5.404.000 €
Soziale & besondere Dienstleistungen 750.000 € (Sektoren: 1.000.000 €)

Die Werte sind bis Ende 2027 stabil. Eine laufend gepflegte Übersicht führt unter anderem der Deutsche Städte- und Gemeindebund.

Ober- oder unterhalb: was sich für dich als Bieter ändert

Oberhalb der Schwelle wird EU-weit bekanntgemacht – dein Wettbewerb ist größer, teils international. Es gelten festere Mindestfristen, strengere Form- und Nachweisanforderungen und der Rechtsschutz über die Vergabekammer. Unterhalb läuft es nationaler, oft mit kürzeren Fristen und weniger Formalien.

Beispiel aus der Praxis: Eine Kommune beschafft eine Kehrmaschine für geschätzt 280.000 €. Das liegt über 216.000 € – also EU-weites Verfahren. Bündelt sie fünf Fahrzeuge zu je 60.000 €, sind das 300.000 € Gesamtwert – ebenfalls EU-weit. Nicht der Einzelpreis zählt, sondern der geschätzte Gesamtwert.

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Der teure Denkfehler: der Schwellenwert gilt für den Gesamtauftrag

Viele Bieter rechnen mit dem Wert ihres Loses – und liegen falsch. Maßgeblich ist der geschätzte Gesamtwert des Auftrags über alle Lose und die gesamte Laufzeit. Ein Auftrag darf nicht künstlich aufgeteilt werden, um unter der Schwelle zu bleiben (Umgehungsverbot). Bei Rahmenverträgen zählt das gesamte Abrufvolumen über die Laufzeit: vier Jahre à 120.000 € sind 480.000 € – also klar oberhalb der Liefer-/Dienstleistungsschwelle. Wer das früh erkennt, plant Fristen und Nachweise richtig statt in der letzten Woche.

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FAQ

Was ist ein Schwellenwert im Vergaberecht?

Der Schwellenwert ist der geschätzte Netto-Auftragswert, ab dem ein öffentlicher Auftrag europaweit ausgeschrieben werden muss. Darunter gelten nationale Regeln (UVgO, VOB/A 1. Abschnitt).

Wie hoch ist der EU-Schwellenwert 2026 für Bauleistungen?

Für Bauleistungen liegt der Schwellenwert 2026 bei 5.404.000 € netto – für alle Auftraggeber gleich.

Was gilt unterhalb der Schwellenwerte?

Unterhalb wird national vergeben, meist nach UVgO (Liefer-/Dienstleistungen) oder VOB/A 1. Abschnitt (Bau) – oft mit kürzeren Fristen und weniger Formalien.

Wie oft ändern sich die EU-Schwellenwerte?

Die EU passt die Schwellenwerte alle zwei Jahre an. Die aktuellen Werte gelten für 2026 und 2027.

Fazit

Die EU-Schwellenwerte 2026 sind kein Verwaltungsdetail, sondern der erste Filter jeder Ausschreibung: Sie entscheiden über Wettbewerb, Fristen und Formalien – und damit über deinen Aufwand. Wer den geschätzten Gesamtwert richtig einordnet, weiß vor der ersten Seite Vergabeunterlagen, worauf er sich einlässt. Und wer diese Einordnung automatisiert, verliert keine Zeit mehr mit Ausschreibungen, die sich nie gelohnt hätten.

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